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Hilltop Garden 13,99 EUR
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Hilltop Garden

Ein Album von Ron Spielman ist ein bißchen wie ein abendliches Treffen mit einem guten, ruhigen Freund. Man lässt sich nieder, spricht ein bißchen über dies und jenes und genießt das Zusammensein. Eine emotionale Oase, ein Ort des Rückzugs aber auch ein Freiraum, die Gedanken fließen zu lassen und auf eine sehr stille Art einen neuen Blick auf das Leben zu gewinnen. Ein solcher Ort ist Hilltop Garden, ein Garten jenseits des Trubels, eine Chance, durchzuatmen und von oben einen Blick auf das Treiben in der Welt zu werfen. Und es ist das neue Album Spielmans, das zweite Soloalbum des feinfühligen Songwriters auf dem kleinen Label frimfram.

 

Wie schon From My Songbook entstand auch Hilltop Garden in Torsten Krills frimfram-Studio, das sich in den letzten Jahren zu einer eigenen Klasse entwickelt hat. Produzent Krill selbst rührt die Drums und die Percussions auf dem Album, und nicht zuletzt die tiefe Freundschaft zwischen Krill und Spielman dürfte zur intensiv-intimen Atmosphäre beigetragen haben, die Hilltop Garden auszeichnet. Die Studiocrew setzt sich diesmal aus dem Line-Up zusammen, das Spielman auf der Songbook-Tour durch Deutschland begleitete: Tastenmann Rainer Tempel, selbst erfolgreicher Leiter einer Bigband, Gitarrist Jo Ambros (Helen Schneider) und Bassist Markus Bodenseh (Fanta 4 etc). Textbeistand gab es von John Barry aus der Sunny Jim Band, ebenfalls einem guten Freund Spielmans.

 

Mit Krill zusammen gelang es Spielman ein weiteres Mal, ein Album größter Intensität zu schaffen, bei dem Songs und Sound untrennbar miteinander verbunden sind. Die endgültigen Arrangements entstanden bei der Bandimprovisation im Studio. „Home ist so ein Song, für den ich nur eine Skizze hatte, und der sich im gemeinsamen Zusammenspiel organisch entwickelte,“ so Spielman. Zur ausgiebigen Spielfreude der Band gehört freilich das Ausprobieren, und so findet man neben einer Reihe von zusätzlichen Instrumenten wie Wurlitzer, Bongo, Mandoline und Pedal Steel-Guitar auch scheppernde Teekannen und einen Löffel, der an ein Glas schlägt – eine ganze Fülle an Sounds, die Krill mit feinem Händchen in eine brillant transparente und ungemein warme Produktion verwandelte. Auch rhythmisch gehen die Songs aus dem Garten auf der Hügelkuppe ihre eigenen Wege. Man findet neben knackigem Rhythm’n’Blues und sehr entspannten Jazz- und Swinggrooves auch mal einen Walzerrhythmus und immer wieder afrikanische Rhythmen, die durch die Überlagerung vieler Percussions entstanden. Keine Frage, in Ron Spielmans Garten geht es farbenfreudig zu, aber nicht unübersichtlich: „Ich habe mich für Hilltop Garden in den Klang zurückgezogen. Ein paar Akkorde, sanfte Rhythmen, das alles aber nicht zu kompliziert, sondern nah am Song.“

 

Typisch für Ron Spielman geht man beim Groove mit und steigt über die starke Melodiösität in die Musik ein. So berührt der Opener Home mit einer fragilen Melodie und zurückhaltender Instrumentierung, die dem Ohr einmal die Möglichkeit gibt, sich zurückzulehnen. Nicht minder harmonisch beschwört Paradise Island eine kleine, heile Welt. „Mein Garten befindet sich auf einem Berg, wo noch alles in Ordnung ist und ich unerreichbar bin,“ so Spielman. „Ich lebe seit einigen Jahren in Berlin und da geht es sehr schnell und unruhig zu. Hilltop Garden ist ein Gegengewicht dazu.“ In diesem Garten wird auch gefeiert, wie etwa In Another Life, das mit seinem leichtfüßig-sprunghaften Rhythmus euphorisierende Wirkung versprüht. Aber nicht alle Songs gleiten einfach so durch, es gibt auch die Wächter im Garten, an denen man vorbei muss. Etwa Leaving For Hollywood, das beginnt wie ein traurig-einsamer Soundcheck in einer Jazzbar, der unweigerlich in tiefe Melancholie führt. Oder der Titelsong, der durch schwebende Wurlitzerklänge nahezu Unwirkliches erstehen lässt. „Ich habe in den letzten Jahren einige liebe Freunde verloren,“ erklärt Spielman. „Und ich habe mich gefragt, was nimmt man eigentlich mit? Worum geht es auf der Welt? Auch im Angesicht des Todes geht der Alltag weiter. Woran werden die Menschen sich erinnern, wenn Du gegangen bist?“

Die Antwort gibt er selbst. Mit Radio Me, einem Statement künstlerischer Selbstbehauptung unabhängig von kommerziellem Erfolg oder Misserfolg (I’m my own boss, can play any song I choose // And there’s nothing I like better than getting behind that mike / and sending my best wishes / to myself, I and me), und Fretboard HighwayollywoodH, einer swingenden Hommage an das Griffbrett der Gitarre, das aus nur 24 Bünden und sechs Saiten immer wieder Neues entstehen lässt – und an die großen Gitarristen, die zu Rons persönlichen Meistern gehören. Landau, Paul Kossoffs, Hendrix, McLaughlin – eine Reihe, in die man auch einen Spielman mit seinem ungemein flüssigen und leichten Spiel aufnehmen könnte.

Es gibt weitere Highlights, etwa das lässige Favourite Actress, das traumhaft melodische I’ll Fail oder die weit herausragende Re-Interpretation des Nina Simone/Animals/Joe Cocker-Klassikers Don’t Let Me Be Misunderstood von Bennie Benjamin.

 

Wie From My Songbook ist auch Hilltop Garden ein persönliches Album, das aus der starken Gefühlsintensität seines Erschaffers lebt – ein privater Garten hinter einer mit Rosen bewachsenen Mauer. Aber das Tor zum Garten steht offen, und man sollte hineingehen. Eine entspannte Begegnung und ein aufbauendes Gespräch sind einem sicher. Und mit Ron Spielman kann man sich auf einen sehr angenehmen Gastgeber einstellen.

 

 

Tracklisting:

 

 1. Home

 2. Paradise Island

 3. Fretboard Highway

 4. In another life

 5. Hilltop Garden

 6. Tip of my tongue

 7. Favourite actress

 8. I´ll fail

 9. Radio me

10. So many things

11. Leaving for Hollywood

12. Don´t let me be misunderstood

13. Wrap up 



Diesen Artikel haben wir am Mittwoch, 02. Oktober 2013 in unseren Katalog aufgenommen.